Er macht sich selbst klein, um die Bürger groß zu machen: Barack Obama fliegt in Örtchen in Indiana, in einer Turnhalle stellt er sich den kritischen Bürgern – ohne Moderator, ohne falschen Stolz. So verändert er die politische Kultur. Hoffentlich nicht nur in Amerika.
1. Sei nahbar
Als Obama vor sechs Monaten hier war, gab es keine weitere Auffälligkeit als diese monotone Unauffälligkeit. Selbst die Arbeitslosenzahl war gewöhnlich, knapp fünf Prozent.
Mittlerweile steckt Amerika in einer tiefen Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit in Elkhart hat sich verdreifacht. Da kam Obama zurück. Er verlegte das morgendliche CIA-Briefing im Weißen Haus, stieg in die mehrstöckige Air Force One und zwei Stunden später stand er wieder in der Turnhalle von Elkhart.
Deutsche Politiker wagen sich allerhöchstens aus Berlin raus, wenn es ein Zugunglück oder so gab. Glücklicherweise hat man dabei keinen Kontakt zu normalen Bevölkerung
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Worum ich die Amerikaner bei der Amteinführung wirklich beneidet habe war, dass der Präsident den Eid vor den Leuten ablegen muß, dass erinnert ihn daran, für wen er da ist oder da sein sollte. In Deutschland wird der Elfenbeinturm Bundestag lieber nicht verlassen – wo käme man auch hin, sich an das Volk zu erinnern – ihre Schuldigkeit haben die Wählermassen bereits getan.
2. Rede einfach und rede selbst
Weitere Begrüßungs- und Dankesworte gab es nicht. Es fehlte sogar ein Moderator für die Fragestunde, was daran lag, dass Obama alles selbst in die Hand nahm. Kein Senator und kein Regierungssprecher sollten den ohnehin beträchtlichen Abstand zwischen Volk und Volksvertreter weiter vergrößern.
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Wer es mit Russlands Putin und den Mullahs in Teheran aufnehmen will, sollte auch mit Lieschen Müller klar kommen. Er kam klar. Ein Mächtiger ohne Uniform war da zu besichtigen. Schön sah er aus.
Bei dem Thema klar reden wird es bei Deutschlands Politikern kritisch, das Volk könnte merken, was für ein Schwachsinn gebrabbelt wird. Nicht umsonst nennt man ausweichend antworten auch *wie ein Politiker reden*.
3. Lerne Deine Kritiker zu lieben
Wenn sich oben und unten begegnen, sind die Fragesteller oft handverlesen. Die Mächtigen hassen es, überrascht zu werden. Gegen Kritik sind sie allergisch.Obama dagegen ermunterte zur Kritik und bekam sie prompt.
Die Stimme der Unzufriedenen gehörte einer jungen Frau. Laura hieß sie. Er habe als Präsidentschaftskandidat Veränderung versprochen, aber kaum im Amt nominiere er Minister, die ihre Steuern nicht bezahlt hätten, sagte sie.
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Zwei Antworten überreicht der Präsident der jungen Frau schließlich. Zum ersten, sagte er, bekomme er kein Kabinett zusammen, wenn er nur Leute berufe, die absolut fehlerfrei seien. Er selbst sei es auch nicht. Zweitens müsse er ihr in diesem Fall leider zugeben: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Es dürfe nicht sein, dass es zwei Spielregeln im Lande gebe, eine für das Volk und eine für die Politiker. Deshalb wiederholte er noch mal: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ So klar hat man das selten gehört.
Er machte sich klein, um die Bürger von Elkhart groß zu machen. Er hat sie nicht geheilt von den amerikanischen Gegenwartsgebrechen wie Armutsangst und Arbeitslosigkeit. Aber er hatte sie getröstet.
Mit zu dem schwersten Dingen im Leben gehört es, Fehler einzugestehen. In Deutschland habe ich oft den Eindruck, dass die Betreffenden zwar wissen, dass ihre Linie nicht mehr aktuell ist, aber korrigiert wird aus Prinzip nicht.
Ein großartiger Charakterzug von Obama.